| Das kleine,
braune, leblos aussehende Knäuel erinnert an abgestorbene Pflanzenteile. Doch hinter
diesem vermeintlich verdorrten Pflanzenrest steckt ein biologisches Wunder. Die in den
Wüstengebieten beheimatete Rose von Jericho besitzt nicht nur die auffällige
Besonderheit über sehr lange Zeiträume ohne Wasser auszukommen, sie hat auch die
faszinierende Eigenschaft, sich urplötzlich zu entfalten und wieder zu ergrünen, sobald
sie mit Wasser in Berührung kommt. Diese besondere Anpassung an sehr trockene Gebiete
erreicht die Pflanze, indem sie bei Trockenheit ihre Sprosse einrollt.
Je nach Temperatur des Wassers braucht die Pflanze zwischen
30 Minuten und einigen Stunden, um zum Leben zu erwachen. Wird ihr das Wasser wieder
entzogen rollt sie sich in den ursprünglichen Zustand zusammen und kann so über Jahre
aufbewahrt werden. Solche Pflanzen werden als Auferstehungspflanzen poikilohydre
Pflanzen bezeichnet.
Vor allem in den alten deutschen Bauernfamilien erfreute sich das Gewächs großer
Beliebtheit und wurde von Generation zu Generation weitervererbt. Schließlich verbreitete
sich der Glauben, dass die Rose von Jericho dem Haus, in dem sie verwahrt werde, Glück
und Segen bringe. Daraus entwickelte sich auch der Brauch, die Rose zu Weihnachten und
Ostern aufblühen zu lassen. Wer aber den Zauber der Wüstenrose an Weihnachten erleben
möchte sollte beachten, dass sie nur eine Woche im Wasser liegen darf. Dann braucht sie
etwa drei Monate, um sich von ihrem intensiven Wasserbad zu erholen.
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