| Das
Julfest ist der Vorläufer des Weihnachtsfestes, das die heidnischen Germanen zur
Wintersonnenwende feierten. Jul, dieser Name stammt aus vorchristlicher Zeit
und heißt eigentlich Rad, das Symbol der Sonne. Zu früherer Zeit wurde es
durch ein brennendes strohumwickeltes Wagenrad dargestellt, das man den Berg
hinunterrollen ließ in dem Glauben, dass sie die
Felder dadurch fruchtbar werden. Die Julzeit war auch früher schon eine zwölf Tage dauernde Friedenszeit,
in der die Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne,
Stechpalme, Kiefer, Efeu, Wacholder geschmückt wurden, denen man schützende und heilende
Kräfte zuschrieb. Ein alter Brauch war es auch, einen großen Holzklotz aus dem Wald zu
holen, den Julklotz- und ihn zwölf Tage und Nächte brennen zu lassen. Mit
seiner Asche wurden die Felder gedüngt und krankes Vieh versorgt. Das Haus stand den
Gästen offen, die ein und aus gingen und reich bewirtet wurden.
Ebenfalls aus vorchristlicher Zeit stammt
der Julbock, ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock, der das Reittier des
Gottes Thor war. Er bringt auf seinem Rücken die Geschenke.
Der eigentliche Mittelpunkt am
Weihnachtsabend ist das gemeinsame Essen. Nach dem Nachtisch werden die
"Julklapp"-Päckchen aus den Verstecken geholt. Beim Brauch des Julklapp wird
ein in vielen Hüllen gepacktes Geschenk in den Raum geworfen und dabei "Julklapp!
Julklapp!" gerufen. Bei diesen Geschenken ist weniger der materielle Wert von
Bedeutung als die Kleinigkeit oder der Vers, der immer in positiver oder negativer
Hinsicht auf die Person des Beschenkten ausgerichtet ist. Keiner darf auspacken, ohne das
Verschen vorzulesen. - Wenn sich das Gelächter über diese Reimchen gelegt hat, wenn die
Geschenke begutachtet und bewundert worden sind, dann wird um den Weihnachtsbaum getanzt.
Am ersten Weihnachtstag geht es zur Kirche,
dabei säumen brennende Kerzen in den Fenstern der Landgemeinden den Weg. Dieser Tag ist
im Gegensatz zu den vorherigen eher ruhig und beschaulich. Die Nachbarn und Bekannten
besuchen einander, die Kinder beschäftigen sich mit den neuen Spielsachen oder ziehen von
Haus zu Haus und wünschten "God Jul".
Im Christentum vermischten sich diese
nordischen Bräuche mit dem orientalischen Sonnenkult und bekamen dadurch einen neuen
Sinn. Erst im 4. Jahrhundert nach Christi Geburt legten die christlichen Kirchenführer
nach vielen Querelen alle drei heiligen Feste zusammen, woraus unser Weihnachtsfest
entstand. |