Chili, der tropische Scharfmacher, unterscheidet sich von der Paprika nur durch die
Schärfe. Eigentlich ist die Paprika eine Chili, denn der heute im Handel angebotene
Gemüsepaprika wurde erst spät in Ungarn aus den schärferen Schoten gezüchtet. Chilis
(mexik. chilli) stammen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika, wo sie von den
Ureinwohnern schon vor 5000 Jahren als Gewürz und Gemüse angebaut wurden. Selbst die
Schokolade sollten die Azteken damit gewürzt haben. Richtig dosiert ist er
appetitanregend und überdeckt dabei selbst feinste Geschmacksnuancen kaum. Die Schoten werden frisch, getrocknet oder als ganze Frucht
verwendet. In gemahlener Form sind sie als Cayennepfeffer im Angebot. Dabei hat Chili mit
dem Pfeffer piper nigrum nichts zu tun, er ist eine eigene botanische Gattung
namens Capsicum frutescens. Allerdings ist Capsaicin der Wirkstoff, der den
Schoten die teils heftige Schärfe verleiht. Es gibt mehr als 100 Chili-Sorten und 120
Schärfegrade. Die Schärfe von Chili wird seit 1912 in Scoville-Einheiten gemessen. Die
schärfsten Chilis, habanero chilis, erreichen 300000 Scoville und die milden sweet
banana chilis haben eine Scoville-Einheit von 0. Generell ist zu sagen, dass je
kleiner eine Schote, desto schärfer ist sie.
Die Reaktionen auf die empfundene Schärfe können unterschiedlich sein. Für einige hat
sie eine betörende oder lediglich betäubende Schärfe, andere dagegen reagieren mit
Schweißausbruch, Hitzegefühl oder auch Schluckauf. Mit zunehmender Dauer der Einwirkung
des Capsaicin wird der Rezeptor jedoch desensibilisiert. Dies erklärt, warum Menschen in
Ländern, in denen viel mit Chilis gekocht wird, kaum mehr auf diese vermeintliche
Schärfe reagieren.
Als Gegenmittel zur Linderung des "Schmerzes" ist Wasser völlig ungeeignet.
Allerdings mit Milch, Käse und Joghurt lässt sich das Capsaicin von Gaumen und Zunge
lösen. Auch das Lutschen von ein paar Salzkörnern kann durchaus helfen.
Chili enthält fast doppelt so viel Vitamin C wie Zitrusfrüchte, doch lassen sich von der
scharfen Frucht nur so geringe Mengen verwenden, dass sie kaum dazu beitragen, den
täglichen Vitaminbedarf zu decken. Außerdem stärkt er das Immunsystem, den
Knochenaufbau, fördert die Entgiftung von Schwermetallen sowie den Alkoholabbau und
stabilisiert die Blutgefäße. Manchmal hilft auch das schleimhautanregende Capsaicin bei
Husten und Schnupfen, die Sekretion zu fördern. Wegen des hohen Gehalts von Carotinoiden
sollen die Schoten auch vor Grauem Star, Arthritis und Arteriosklerose schützend wirken.
Darüber hinaus heizt das Capsaicin die Stimmung und die Sinne an, denn als Reaktion auf
den starken Reiz setzt das Gehirn Endorphine frei, körpereigene Substanzen, die
schmerzstillend wirken und in größeren Mengen Glücksgefühle auslösen.
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